Resümee

 

 
 

Dennis Röder

Möglichkeiten eines global orientierten Geschichtsunterrichts – Das Beispiel Afrika

 

Afrika im deutschen Geschichtsunterricht? Die Skepsis zur Integration außereuropäischer Geschichtsräume in den deutschen Geschichtsunterricht ist unter vielen Historikern, Geschichtsdidaktikern und Lehrern weiterhin groß. Geschichtslehrer stehen bei der Vermittlung von außereuropäischer Geschichte vor einem Zeit- und Materialproblem. Wie sollen Aspekte der afrikanischen Geschichte in den Geschichtsunterricht integriert werden, wenn die meisten Geschichtslehrer am Ende der 10. Klasse nicht einmal bis in die deutsche Nachkriegsgeschichte gelangt sind? Ist es überhaupt zeitökonomisch möglich, sich noch neben „der“ deutschen und europäischen Geschichte auch noch in „die“ afrikanische Geschichte einzuarbeiten?

Meine Examensarbeit „Möglichkeiten eines global orientierten Geschichtsunterrichts – das Beispiel Afrika“ geht von diesen Problemfragen der Integration außereuropäischer Geschichtsräume in den deutschen Geschichtsunterricht aus und kontrastiert diese mit der zentralen Zielkategorie des Geschichtsunterrichts, der Vermittlung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins, verstanden als Zusammenspiel aus Vergangenheitsdeutung, Gegenwartswahrnehmung und Zukunftsorientierung. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, so die zentrale These der Arbeit, dass die Fragen an Geschichte zu Beginn des 21. Jahrhunderts aufgrund gegenwärtiger Globalisierungsprozesse und deren Auswirkungen auf die außerschulische und schulische Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen über den eigenen nationalhistorischen Standort hinaus gestellt werden sollten und die bisherige Konzeption des Geschichtsunterrichts „mit Europa als riesigem Kopf, an dem die anderen Teile der Welt in schmächtigen Stücken wie Strümpfe hängen“ (Luigi Cajani) nicht mehr tragbar und zeitgemäß ist.

Afrika taucht in heutigen Lehrplänen und Schulbüchern kaum auf. Wir verbinden mit der ägyptischen Geschichte weniger Afrika als eher eine frühe Etappe zur „europäischen Erfolgsgeschichte“. Um 1500 taucht Afrika innerhalb eines scheinbar völlig von Europäern dominierten „Dreieckshandels“ als Hauptlieferant von schwarzen Sklaven auf. In der Periode des Imperialismus stoßen wir auf bunte Afrikakarten und die europäischen Aufteilungspläne im „scramble for Africa“. Auf wenigen Schulbuchseiten wird der Versuch unternommen, „die“ afrikanische Geschichte zusammenzufassen. Meist daran anschließend wird in Schulbüchern eine Diskussion über den heutigen „Krisen-/ Katastrophen-/ Kriegs-/ Problemkontinent“ angestoßen. Die in der Arbeit durchgeführte Schülerbefragung ist ein Spiegel dieses monolithischen Bildes von Afrika, welches in Geschichtsschulbüchern erzeugt wird.

Ausgehend von diesen ernüchternden Ergebnissen und vor dem Hintergrund geschichtsdidaktischer Überlegungen zur Welt- bzw. Globalgeschichte beschreibt die Arbeit zunächst verschiedene Bausteine eines global orientierten Geschichtsbewusstseins. Zentral für eine alternative Perspektive auf Afrika sollte hierbei die globale Neuplatzierung vertrauter nationaler Zugänge sein. Dabei wurden zwei Themenbereiche (transatlantischer Sklavenhandel, Geschichte der Stadt) ausgewählt, die beide jeweils aus der vertrauten europäischen Perspektive im Geschichtsunterricht vorkommen und in den beiden Unterrichtsvorschlägen mit einer globalen und afrikanische Perspektive verquickt werden.

Bei der ersten vorgestellten Unterrichtsreihe geht es besonders darum, das Bild vom schwarzen Afrikaner als Prototypen eines Sklaven aufzubrechen und gleichzeitig nach afrikanischen Handlungsoptionen zu Beginn des atlantischen Sklavenhandels um 1500 zu fragen. Die Beschäftigung mit dem Königreich Kongo sollte den Schülern deutlich machen, dass die Ankunft der Europäer zunächst nur eine Erweiterung bereits existierender Handelsnetze darstellte und auch der sich langsam entwickelnde Sklavenhandel zunächst nichts Unbekanntes für Afrikaner war.

Die zweite in der Arbeit vorgestellte Unterrichtsskizze beschäftigt sich mit der Geschichte der Stadt, die von Schülern häufig als westlich-europäisches Phänomen angesehen und in Verbindung zu Zivilisation, Kultur und Schrift gesehen wird. Hier sollte ein Vergleich zwischen der Hanse und Handelsstädten am südlichen Sahararand um 1300 den europäischen Geschichtsrahmen aufbrechen (Kennenlernen globaler Handelsräume zum gleichen Zeitpunkt), die Funktion von Schiffen und Kamelen zur Durchdringung weiter Räume thematisiert, unterschiedliche Handelsgüter und Währungen verglichen und Stadtgrößen in Beziehung gesetzt werden.

Dennis Röder

Kontakt: dennis.roeder@student.uni-siegen.de

 
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© Universität Siegen - Fachbereich 1 (letztes Update: 02. 10. 2005 )