Resümee

 

 
chinesisches Zeichen  

Peter Hombach

Möglichkeiten eines global orientierten Geschichtsunterrichts – Das Beispiel China

 

Meine Staatsarbeit (2004) bezieht sich auf die aktuelle geschichtsdidaktische Diskussion über die Möglichkeiten, welt- und globalgeschichtliche Perspektiven in den gegebenen Geschichtsunterricht zu integrieren und damit auf geschichtsdidaktischer Ebene unter anderem auch die Herausforderungen einer sich zunehmend dynamischer globalisierenden Welt aufzugreifen.
In der Auseinandersetzung mit der Frage, wie dieses Ziel erreicht werden könnte und wie ein entsprechend ausgerichtetes Geschichtsbewusstsein zu definieren wäre, habe ich verschiedene aktuelle geschichtsdidaktische Ansätze gesichtet, analysiert und ausgewertet. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, welche Umsetzungsmöglichkeiten es diesbezüglich in der deutschen Geschichtsunterrichtskultur gibt und welche Probleme sich bei der Umsetzung stellen können. Wie ein global orientierter Geschichtsunterricht in der Praxis aussehen könnte, habe ich dann am Beispiel der chinesischen Geschichte mit dem Entwurf von zwei Unterrichtsreihen (Sek I) auszuloten versucht.

Diese beiden Unterrichtssequenzen beschäftigen sich zum einen mit der Epoche der Antike und zum anderen mit der des Mittelalters, zwei Zeiträumen, die bislang kaum mit China verbunden wurden. Überhaupt wurde der chinesischen Geschichte bislang kaum Aufmerksamkeit von Seiten der deutschen Geschichtsdidaktik zuteil. Warum es sich aber lohnen würde, gerade diesen Geschichtsraum in das historische Lernen einzubeziehen, habe ich ebenfalls versucht darzustellen.

Die erste Unterrichtsreihe – "Die Seidenstraße als Beispiel für transkontinentale Kontakte in Antike und Mittelalter" – rückt die Leistung von transkontinentalen Kontakt- und Austauschzonen in den Mittelpunkt der Betrachtung und betont deren enorme Bedeutung für die historische Entwicklung. Unter anderem soll den SchülerInnen vermittelt werden, dass das ihnen bekannte Großreich der Antike, das Römische „Welt“-Reich, nicht das einzige seiner Zeit war, sondern dass in Ostasien mit dem chinesischen Han-Reich ein weiteres Großreich existierte, welches überdies mit dem Imperium Romanum über die Seidenstraße Waren- und Kulturaustausch pflegte, auch wenn dieser indirekt und vermittelt ablief. Außerdem werden die menschheitsgeschichtliche Bedeutung von Faktoren wie Transfer (von Waren, Kultur, Ideen), Kontakt (Reisen buddhistische Pilger, Marco Polo), Religion (Ausbreitung des Islams, Buddhismus) und Krankheiten (Ausbreitung der Pest) exemplarisch aufgezeigt.

Die zweite Unterrichtsreihe – "Das Zeitalter der Expansion in global erweiterter Perspektive" – erweitert ein traditionelles Thema des Geschichtsunterrichts, die europäische Expansion, um eine chinesische Perspektive.
Sie will den SchülerInnen bewusst machen, dass auch das chinesische Ming-Reich durchaus die technologischen Kompetenzen und Kapazitäten – zudem zeitlich vor Europa – zu groß angelegten überseeischen Expeditionen hatte. Der entscheidende Unterschied war aber, dass China traditionell ein autarkes Reich mit universellem Machtsanspruch war, das keine Veranlassung zur Eroberung ausländischer Territorien sah und auch von keiner religiösen Gesinnung bestimmt wurde, die eine Zwangsmissionierung fremder Völker impliziert hätte- Es waren also vor allem mentalitätsgeschichtliche Aspekte, die Europäer und Chinesen unterschieden und letztlich dazu führten, dass die Europäer Amerika eroberten und weltweit Kolonien errichteten.

Diese inhaltlichen Aspekte habe ich in zwei Unterrichtsreihen methodisch-didaktisch aufbereitet, indem ich – im Rahmen der Möglichkeiten – Material für die beiden Unterrichtsreihen zusammenstellte. Dazu gehören vor allem geeignetes Kartenmaterial, Zeitleisten sowie Quellen- und Bildmaterial, die in einem gesonderten Band (Anhang) zusammengestellt wurden und hoffentlich hier oder dort im Unterricht erprobt werden.

Peter Hombach

 

Über Rückmeldungen jeglicher Art und Anregungen würde ich mich freuen. Vielleicht wird der ein oder andere durch diese Seite ja auch angeregt, eine der Unterrichtsreihen selbst einmal auszuprobieren.
Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Kontakt: peter.hombach@gmx.de

 
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© Universität Siegen - Fachbereich 1 (letztes Update: 17. 01. 2005 )